finales Ende!

Das Abenteuer hat ein ziemlich finales Ende genommen. Der Rettungsversuch unserer havarierten Santa Maria endete mit deren Totalverlust, aber eines nach dem anderen; Wir fuhren bei halbwegs passablem Wetter los. Die erste Nacht war kabbeliger als vorhergesagt, dadurch die Seekrankheit, nichts, was ein paar Tabletten nicht unter Kontrolle brächten. Der nächste Tag war fein zum rudern und brachte uns auch in die gewünschte Richtung. Der 27.12. und der 28.12. waren auch in Ordnung. Das Drama fing am 29.12. an. Die angekündigten moderaten Südwinde entpuppten sich als Sturm mit 4 Meter hohen Wellen und 7 Beaufort. Da waren wir schon in der kanarischen Strömung. Diese widersprüchlichen "Richtungen" von Strömung, Schwell und Wind haben uns das Ruder zerschlagen, so dass wir den Para-Anker setzten, um das Wetter auszusitzen und uns dann an die Reparatur unseres Ruders zu machen; wohlweislich hatten wir uns ein schönes V4A Edelstahl-Ersatzruder von der Firma haleco in Bad Heilbrunn lasern lassen; aber soweit kam es leider gar nicht, beim ersten Para-Anker ist das Tau nach einem halben Tag gerissen, den zweite kleineren Para-Anker hat es nach zwei stunden komplett zerlegt (die Nähte waren komplett ausgerissen obwohl das Ding brandneu war und gemäss der Schiffsmasse gekauft worden war) so sind wir zum Spielball der Wellen geworden. Wir hatten noch einen kleinen Para-Anker übrig, der aber nur für ruhiges Wetter gedacht war, um mal treiben zu können, ohne die Position zu verlieren; schweren Herzens löste ich das EPIRB aus, da nach einem Anruf bei Samir feststand, das das stürmische Wetter noch einen weiteren Tag anhalten würde ohne besser zu werden und wir ohne Steuerung und Para-Anker Gefahr laufen, von den Wellen komplett zermahlen zu werden. Nach 15 Minuten hatte ich Kontakt mit einem philippinischen Frachtschiff aufgenommen, das nur 7 Seemeilen von uns entfernt war. Nach einer mehr als dramatischen Rettungsaktion, welche die Santa Maria beschädigt hat konnten wir an Bord gehen. Unser Boot wurde ins Schlepp genommen, hat aber durch die Beschädigung Wasser genommen und ist nach etwa 2 Meilen im Schlepp vom Tau gerissen. Wie gesagt, ein finaler Verlust; da wir nicht mit dem sinken der Santa Maria rechneten, haben wir leider nichts von Bord der Santa Maria mitgenommen außer unseren Pässen, elektronischen Kleinkram und den 2 Schwimmwesten die wir trugen. Ich muss jetzt erst einmal verdauen, dass die Santa Maria wirklich unwiederbringlich auf See geblieben ist. Unser Leben ist uns geschenkt worden, dafür bin ich unendlich dankbar, wenn wir wieder von Bord der Vanessa A, unserem Rettungsschiff gehen berichte ich mehr. Barbara

Wellen, satt!

Gleich zu Beginn der Reise haben Barbara und Anton 3 Delfine gesehen. Das Wetter ist stürmisch und die Wellen sind sehr hoch, leider haben beide momentan mit der Seekrankheit zu kämpfen. Barbara und Anton möchten jetzt so bald als möglich in das Lee der Kanaren gelangen. Dort soll das Wetter und die Wellen ruhiger sein. Mehr konnte ich leider in dem kurzen Telefonat nicht erfahren, da dann die Verbindung sehr schlecht war und ich nichts mehr verstanden hatte.

Es geht los!

Morgen steigt die grosse Sause, um 6 Uhr morgens geht es los. Das Wetter ist zwar immer noch nicht perfekt, aber wenn nicht jetzt, dann hängen wir bis Neujahr hier...! Kann sein, dass wir uns etwa eine Meile vom Strand mit dem Zodiac wegziehen lassen müssen. Hängt vom Swell ab. Das entscheiden wir morgen früh kurzfristig mit dem Hafenmeister Samir. Heute abend wird mit den anderen Yachties Weihnachten gefeiert, jeder kocht etwas typisches aus seiner Region. Wird sicher eine spannende Mischung, die Crews kommen aus Belgien, Australien, Schottland, Griechenland, England, Kapverden, Frankreich, Finnland, Österreich. Wir bringen Lebkuchen mit, denn auf unserem kleinen Campingkocher lässt es sich für so eine grosse Meute nicht wirklich kochen. Wir sind hier inzwischen eine sehr nette Gemeinschaft von Weltumseglern, Rentnern und Aussteigern. Charteryachten mit Leuten die es eilig haben sind keine da, wir haben viel über Wetter, Wind, Wellen und Co gelernt, denn manche von denen sind schon über 20 Jahre unterwegs.
Viele Grüsse, Barbara

Warten

Ihr wartet sicher schon alle gespannt, wann es endlich los geht. Wir auch! Samir hat unseren Start erneut verschoben, keine Überraschung, wenn man sich die Grosswetterlage auf www.magicseaweed.com anschaut. Wir haben gestern mit Bekannten auf Gran Canaria telefoniert und da geht es in der Marina auch drunter und drüber. Alle Plätze belegt und überall schleichen schlecht gelaunte Skipper mit Crew umher, die auch endlich ihren Törn über den Atlantik starten möchten. Wir haben die Santa Maria mittlerweile das dritte mal umgeparkt, unsere Liegeplätze wurden immer für grössere Schiffe gebraucht. Gestern war wieder ein ordentliches Tief über uns, hat uns sintflutartigen Regen und einen ordentlichen Schwall Regen beschert. Mit dem Ergebnis, dass einige yachties zum Taukaufen gefahren sind, um ihre Boote sturmfest am Ponton verankern zu können. Eine Stütze hat der Sturm gestern geliefert, nun hängt der Steg schief und die "Reise nach Jerusalem" beginnt von Neuem, Boote werden umgeparkt, alle müssen den Anker setzen und Leinen quer über die Nachbarboote spannen. Die Santa Maria ruckelt und zerrt auch an ihren Leinen, aber um ihre Leichtigkeit beneidet uns mittlerweile der ganze Hafen. Die Franzosen lächeln immer sehr nett und meinen: Petit bateau, Petit problem! Wie recht sie haben! Einen Vorteil hatte der Regen, wir wissen nun sicher, dass alle Luken dicht halten. Die Überprüfung heute morgen hat gezeigt, Apfelringe, Polenta und co liegen knochentrocken und warten auf den Kochtopf. PS Sollten wir Weihnachten noch hier sein, buchen wir uns ein Weihnachtsmenue in einem Wiener Restaurant! Die Speiseabfolge ist klassisch, Süppchen, Gans mit Blaukraut und Parfait. Was will man als gestrandeter Ozeanruderer mehr!

Die neue "Stimme"

Heute beginne ich, Stefan Werner, die Seiten mit Inhalt zu füllen. Nachdem Barbara und Anton bereits unterwegs sind, können Sie mir keine ausformulierten Texte schicken. Ich hoffe ich kann Sie ebenso kurzweilig wie Barbara unterhalten und Ihnen Neues von Ozeanrudern vermitteln. Momentan habe ich noch keine aktuelle Info per SMS erhalten, so sehe ich es wie meine Mutter die da sagt: "Wenn man nichts hört vom anderen, geht es ihm gut."

Satellitentelefonie

Seit heute vormittag 9:30 Uhr sind wir um ein Satellitentelefon reicher. Leihweise. Wohlmeinende Geister können uns ein paar aufmunternde Worte senden. Anrufen ist weniger zu empfehlen, da wir das Telefon nicht die ganze Zeit in Betrieb haben werden. Und ausserdem will das deutsche Festnetz zwischen 4 und 6 Euro pro gesprochener Minute. SMS bzw. Email ist dagegen kostenlos. Geht ganz einfach: auf die Seite der Firma Welthandy (Iridium Satellite) gehen http://messaging.iridium.com . In dem kleinen Fenster für die Telefonnummer steht bereits ein vierstelliger Code 8816, der um die Telefonnummer 31828644 ergänzt werden muss. Dann ist noch etwas Platz für eine kurze knackige Nachricht. Übermittelt werden maximal 160 Zeichen. Dieser Service ist für den Versender, also die Daheimgebliebenen, kostenlos. Ich bitte um Verständnis, wenn wir nicht antworten...! Wir sind nicht untergegangen, sondern beugen uns den ökonomischen Zwängen. Satellitentelefonie ist enorm teuer und wir werden lediglich zu Stefan Werner Kontakt halten um das Tagebuch unserer Homepage immer auf den aktuellen Stand zu bringen.

50 Kilo Oatsnack

Heute kamen zwei Pakete der Firma Davina. Die mit dem Oatsnack. 600 Riegel! Für jeden 3 Stück pro Tag. Na ja, 2,5 für mich und 3,5 für den Toni. Aber der ist ja auch doppelt so schwer wie ich. Wir gestehen, wir haben einmal Erdbeere-Joghurt probegegessen. Nur einen, ehrlich!

Neue Material-Sponsoren

Auf dem Flug nach Agadir ( der aufmerksame Leser weiß, dass ich für Behördengänge im Oktober eine Woche runtergeflogen bin) saß ich neben Eliane Drömer von der PR-Agentur MeyerNell aus München. Wir kamen ins Gespräch und landeten natürlich auch bei der Santa Maria und der Atlantiküberquerung. Um es kurz zu machen, Eliane hat Blut geleckt und sich bei den Marken, die ihre Agentur vertritt, für uns stark gemacht. So, und nun rudern wir mit den Hightech-Kompressionsshirts und Ärmlingen der australischen Firma Skins und den stylischen, schwimmfähigen Brillen von Julbo! Fazit: Fliegen hilft manchmal mehr als jeder Brief.

Reiseroute

route

So, jetzt ist es amtlich! Nachdem es der BR und der Merkur von den Dächern pfeifen, wollen wir es auch dem Tagebuch anvertrauen! Wir werden nicht von den Kanaren Richtung Barbados rudern, sondern starten von Agadir. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer sind die spanischen Behörden. Diese zieren sich, Einzelruderern eine Startgenehmigung zu erteilen. In der Vergangenheit musste die Küstenwache immer wieder mal ausrücken, um havarierte Ozeanruderer auf die Inseln zurückzuschleppen. Mittlerweile wird deshalb nur noch in Einzelfällen mit viel Tamtam und Kotau die Erlaubnis erteilt. Kein Problem haben die Wettkampfteilnehmer, die mit Woodvale zur Challenge starten. Aber da fahren auch zwei Segelboote mit, da wird die Rettung sozusagen privat organisiert. Ein zweiter Grund sind die Kosten, um mit der Santa Maria nach La Gomera zu kommen. Ab Cadiz kostet das Auto samt Boot-Hänger und zwei Personen auf der Fähre hin etwa 2000 Euro, zurück circa 1700 Euro. Und da uns die Sponsoren nicht gerade die Tür eingerannt haben, habe ich schon seit längerem nach einem alternativen Startplatz gesucht. In Agadir habe ich ideale Bedingungen sowie sehr nette, hilfsbereite und kompetente Menschen getroffen, die unsere Überquerung spannend finden und unterstützen wollen. Und das Hinkommen hält sich finanziell auch in einem ansprechenden Kosten-Nutzen Rahmen.

Ozean Profi

Unterstützung vom Ozean-Profi!! Sam, der für uns zuständige Hafenkapitän, ist ein mehrfacher Atlantik-Überquerer. "Nebenberuflich" überführt er Yachten von hier nach dort und von oben nach unten. Er wertet die Daten unserer Route aus und gleicht sie mit denWindkarten, Swell und Strömungsdaten der Profiseiten im Internet ab. Sam wird uns dann per sms den Idealkurs vorgeben. So kommen wir bei Starkwind aus der "falschen" Richtung nicht zu sehr vom optimalen Kurs ab, da wir rechtzeitig gegensteuern und dem Wind entgegenrudern, der uns, voila; mit seiner Kraft wieder auf die Ideallinie setzt. Sicher, wir sind zu langsam, um schlechtem Wetter davon zu rudern oder auszuweichen. Aber wir können uns mit dieser Vorlaufzeit seelisch auf das Kommende einstellen.

Der Name

boot  boot

Zwei Dinge, die echte Seeleute offensichtlich nie tun: den Namen des Bootes ändern, beziehungsweise an einem Freitag zu einem größeren Törn auslaufen. Nun kommt unter den von uns gewählten Namen Santa Maria auf den Bootsrumpf in kleiner Schrift der von unseren Vorgängern gewählte Name: Star Atlantic II. Wir wollen die Meeresungeheuer schließlich nicht herausfordern! Und aus der Marina auslaufen kommt ja eh' nur bei perfektem Wetter in Frage. Idealerweise bei Windstille, oder einer leichten Briese die uns westwärts trägt. Damit wir vom Ufer wegkommen und uns quasi freischwimmen. Da kommt es auf einen Wochentag hin oder her nicht an.

Petri Heil

anton  anton

Ja, wir haben sie geschafft, die Fischereieinweisung! Toni hat 2 mal geübt und ich habe auch an 2 Regenbogenforellen das fachmännische Fangen, Betäuben und Ausnehmen ausprobiert. Es ist nicht schwer, aber doch gut, die einzelnen Handgriffe einmal selbst durchgeführt zu haben. Gabi Krumpholz hat uns ein Sortiment Heringsschnüre, Barschhaken, Vorfächer und Wobbler zusammengestellt, da bleibt kein Raum für Hunger auf der Rettungsinsel mehr! Auf der Santa Maria werden wir nicht fischen, da der Alltag schon ausgefüllt ist mit RUDERN und den darum herum stattfindenden Aktivitäten. Die Bordapotheke ist nun auch fertig bestückt. Unsere megapatente Tierärztin Eva Hermann aus Weyarn hat uns dabei geholfen. Ob starke Schmerzen, Seekrankheit, bakterielle Vergiftungen, Durchfall oder nur simple Kopfschmerzen, für jedes Wehwehchen haben wir vorgesorgt. Wir sind mit letzten Details am Boot befasst, die Planung geht in die letzte Runde. Listen werden für die Behörden übersetzt, Formulare für die Hafenmeisterei und die Behörden ausgefüllt, Ausweise x-fach kopiert und von vereidigten Übersetzern mit den nötigen offiziellen Stempeln versehen. Containerdienste für die Rückführung des Bootes aus der Karibik gebucht, Flugpreise verglichen, Versicherungen abgeschlossen, hab' ich was vergessen?? Ich sage nur: Es lebe die Bürokratie!! Aber sehen wir es mal so - wenn es einfach wäre, würde es ja jeder tun...

vom Schlachten

Sollten wir wirklich in die Rettungsinsel umsteigen müssen, können wir nur beschränkt Proviant umladen. Vor allen Dingen wenn es richtig schnell gehen muss. Und wenn uns dann keiner findet, obwohl wir unser EPIRB aktiviert haben...? Diese Gedankenspiele haben mich veranlasst, über das Angeln für das tägliche Überleben in der Rettungsinsel nachzudenken. Lass ich mir 'nen Katalog kommen, dachte ich. Kam dann auch. Der eine hatte 430 Seiten, der andere überschaubare 235. Komplette Überforderung, aber man kann sich nicht überall gleich gut auskennen. Gabi Krumpholz, die ich bis dahin nur flüchtig kannte, kam mir in den Sinn. Die "macht was mit Fischen". Stand ich eines Abends mit 3 Kilo Katalog auf der Terasse und sagte: "Was soll ich denn mitnehmen, für den Notfall?" Da stellt sie mir ein kleines Sortiment zusammen, sagt die Gabi, ihres Zeichens staatlich geprüfte Ausbilderin für zukünftige Fischer! Unwissentlich hab ich mich gleich an die Meisterin ihres Fachs gewandt. "Und was ist mit den Knoten und dem Schlachten?" Öhh? Anfang Oktober bin ich nun eingeteilt zur Knotenkunde und der fachmännischen Verarbeitung des Fangs. Unsere Beute finden wir in Form einiger Forellen und Saiblinge im örtlichen Fischweiher. Die Holzspäne für den Räucherofen liegen schon bereit!

Meisterliche Inspektion

alex  alex

Gleich zwei Meister ihres Fachs haben die Santa Maria inspiziert. Bernhard Meyer, seines Zeichens Radarelektroniker und Alex Sauerle, soeben geadelter Bootsbaumeister. Bernhard hat die Bordelektronik komplett überprüft und "durchgemessen" wie das in Fachkreisen wohl so heißt. Er konnte auch wertvolle Tipps für die diversen Neuanschaffungen geben, damit wir uns keine Stromfresser an Bord holen. Alex, ein echt bayrischer Bootsbaumeister bessert am Rumpf nach - einmal im Bereich der fest installierten Entsalzungsanlage und einer Stelle unterhalb der Wasserlinie, die leicht verstärkt werden muss. Alex, der eher mit Yachten am Starnberger See zu tun hat, fand die Santa Maria "echt abgefahren", gut verarbeitet und hochseetauglich. Auch Bernhard war von der Architektur der elektrischen Anlage beeindruckt: Schlicht gehalten, übersichtlich, ohne Firlefanz und Backup-Lösungen für vitale Teile der Anlage. Also wenn das kein Freibrief zum losrudern ist!

Sommerfest am Chiemsee

Das Wetter mag uns nicht wirklich...! Erst hat es uns ständig die Foto-Termine verregnet, und nun ist das Sommerfest fast ins Wasser gefallen! Aber wenigstens der Sonntag war fast regenfrei. Wir konnten das Boot direkt neben den Festzelten präsentieren, die perfekte Symbiose von Bier und Boot. Urlauber aus ganz Deutschland und auch viele Einheimische waren sehr interessiert an unserer Santa Maria. Hobby-Segler stellten sehr gezielte Fragen zu Boot und Vorhaben, erstaunlich viele ältere Semester standen wehmütig davor, den Glanz bestandener Abenteuer in den Augen und erzählten ihrerseits von bestandenen Atlantiküberquerungen. Die meisten als Crew-Mitglieder einer Charteryacht oder bequemer an Bord eines Kreuzfahrt-Liners. Auf jeden Fall haben wir nun sehr viele gute Wünsche mit im Gepäck, denn alle Besucher wünschten uns gutes Gelingen und versprachen, unserer Reise am PC zu folgen.

Sommerfest

barbara und anton  anton

Heute war Generalprobe, ein kleines Sommerfest in Bad Tölz, ausgerichtet vom örtlichen Basketballverein. Wir durften unser Boot neben dem Spielfeld platzieren und die Zuschauer überschwemmten uns mit interessierten Fragen zu Technik, Reiseroute und Machbarkeit des Abenteuers. Haben wir gut gemeistert und mussten keine Antwort schuldig bleiben! Hier wurde wieder deutlich, dass Ozeanrudern doch eine winzige Nische im sportlichen Geschehen ist. Obwohl DSF und auch Arte in der Vergangenheit Berichte über das Rudern im offenen Meer gebracht hatten, braucht es Landsleute, die mit diesem Sport regelmäßig von sich reden machen. Die Engländer sind da eindeutig weiter. Aber das freundliche Interesse unserem Abenteuer gegenüber lässt Großes hoffen! Wir freuen uns schon auf den Chiemsee!

LKWs und Boot, das passt.

auto  auto

Und da soll noch einer sagen, "was der Bayer nicht kennt das frisst er nicht"! Obwohl rudern nicht zu den bayerischen "Kernkompetenzen" gehört, können wir ab sofort zwei lokale Unternehmen zu unseren Sponsoren zählen. Die Firma Heid Entsorgungstechnik und die LKW-Fahrschule Brummi Fit. Beide Firmen sind in Miesbach beheimatet und von unserer sportlichen Idee begeistert. Brummi Fit hat zwar noch keine Sportboot-Scheine im Programm, aber was nicht ist, das kann ja noch...!

Kleidung

Durch Zufall gefunden und mittlerweile zum favorisierten Trainingsgebiet erkoren: der Sylvensteinspeicher. Stefan hatte das tiefblaue Wasser für die Foto-Session vorgeschlagen - leicht erreichbar, betonierter Slip, wenig Publikum. Streckenkilometer kann man zwar nicht in eine Richtung sammeln, wir sind ständig am auf- und abfahren, aber, der Wind wechselt die Richtung im Minutentakt. So sind wir genötigt, uns mit der Masse des 450kg-Bootes auseinanderzusetzen, die Steuerung ständig zu justieren, halt mit dem Boot vertraut werden und es kennenzulernen. Einfach nur geradeaus unter idealen Bedingungen, wir doch nicht! Morgen werden wir zum ersten Mal mit Ballast rudern. 150 Liter Wasser im Kiel, um die selbstaufrichtenden Eigenschaften mal live zu erleben und 250 Liter Wasser strategisch verteilt um das Ruderverhalten mit einem voll beladenen Boot kennenzulernen. Zwei weitere Sponsoren, die seit gestern mit uns den Atlantik überqueren: Seitenbacher und Craft. Der regelmässige Leser hat es sicher schon mitbekommen, für die Verpflegung ist eine Frau zuständig! Physiologischer Nährwert, langkettige Zucker, Leistungsabfall vermeiden, da blitzt das haushalterische Vollwert-Gen durch. Seitenbacher trägt diesen Parametern absolut Rechnung. Seitenbacher bietet zudem viel mehr als "nur" Müsli. Hier können wir unsere Vorratskammer prima mit Fingerfood aufstocken. Craft als Bekleidungs-Sponsor im Ausdauerbereich wird an Bord täglich im Einsatz sein. Die Feuchtigkeit transportierenden Fasern der Shirts und Hosen halten die Haut immer angenehm trocken und schützen sehr effektiv vor schädlichen UV-Strahlen. Und mein ästhetisches Empfinden ist mit dem perfekt mit unserem Boot übereinstimmenden Gelb der Bekleidung auch befriedigt!

Energie

Dieser Montag ist trotz 9 Grad und ausdauerndem Nieselregen ein guter Montag! Unser erster Firmensponsor hat sich mit ins Boot gewagt. Und dazu noch unser absoluter Wunschkandidat im Bereich Energieriegel. Oatsnack, der natürliche Energielieferant. Beim Probeessen, sechs Firmen gingen an den Start, hat der Brazil Nut in puncto Sättigung, Geschmack und Konsistenz 100 Punkte geholt. Wir nehmen natürlich alle 11 Sorten mit und werden am Ende der Tour unseren Bluewater-Favoriten küren!

Es wird

Eines nach dem anderen. Eine Nautic-Kaufhauskette zu unserem Ansinnen, ein Gutachten für unsere 13 Jahre alte Rettungsinsel erstellen zu lassen: "Ja die Insel ist doch schon uralt! Wir hätten da ganz günstige im Angebot...! Denn länger als 10 Jahre dürfen Rettungsinseln nicht gewartet werden und müssen ersetzt werden." Dazu hatten wir ein erhellendes Gespräch mit unserem bfa-Rettungsinsel-Gutachter Herrn Frech, den ich daraufhin über Internet ausfindig gemacht hatte. Für Rettungsinseln gibt es keine gesetzlichen Vorschriften wie alt oder neu diese sein darf wenn sie an Bord mitgeführt wird. Das gilt auch für die Service-Intervalle. Gewartet wird zum eigenen Schutz - das Leben einer Rettungsinsel hängt sehr von deren Lagerung und den Umwelteinflüssen ab, denen sie ausgesetzt ist. Fazit: Unsere stand da auf dem Prüftisch wie eine Eins! So viel zum Thema Beutelschneiderei und kompetente Beratung. Unsere Gespräche mit dem Ausrichter des Sommerfestes in Prien am Chiemsee waren erfolgreich! Wir können unsere Santa Maria vier Tage an der Uferpromenade auf den Schären ausstellen. Es werden 15.000 Besucher erwartet. Die Hoteliers haben ein umfangreiches Rahmenprogramm auf die Beine gestellt. Hier werden wir unser Boot nun das erste Mal einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. Wie gesagt... es wird!

10 Meilen

Also 10 Meilen müssen wir auf jeden Fall schon mal Rudern! Wir haben heute die ersten Seemeilen an Marion und Bernhard Maier aus Bad Tölz verkauft! Mitfahren will trotzdem keiner von beiden...! Um Firmen-Sponsoring sind wir eifrig bemüht, hatten einige Gespräche, können aber noch keine Erfolge verbuchen.

Fototermin im Regen

barbara am sylvensteinsee  anton am sylvensteinsee

Heute am Vormittag, Wetter ist pasabel. Alle Termine verschoben und ab zum Sylvensteinsee zum Fototermin. Barbara und Anton haben schon um 12:00 Uhr das Boot zu Wasser gelassen und machen eine Testfahrt. Stefan und Helmut kommen um 15:00 Uhr zum See, und es hat zu regnen begonnen. Aber da müssen jetzt alle durch - auch Regenbilder haben etwas.

der Wonnemonat Mai

Es ist kalt, 16,5 °C, grauer Himmel und Regenwolken, die Fotosession ist so nicht machbar. Wir sind alle ein wenig genervt!

riesige Hektik

Geballte Arbeitsladung. Mappen für die Sponsoren sind zu schreiben, die Homepage soll die nächsten Tage online gehen und wir haben noch immer kein Foto der properen Santa Maria! Warum? Der kälteste Mai mit dem schlechtesten Wetter seit 19 Jahren. Stefan unser Homepage-Administrator: "Wenn wir das Boot bei dem grauen Wetter im See fotografieren können wir es auch gleich auf dem Hänger lassen und ich implementiere das "Standboot" ins blaue Karibik-Meer." Vielleicht Ende der Woche? Der Slip am Achensee ist zwar geeignet, um so ein großes Boot ins Wasser zu lassen, aber der Wasserspiegel ist etwa 80 Zentimeter zu niedrig. Die Anlage in Bad Wiessee darf nicht mit dem Auto befahren werden. Wir suchen am Wochenende den Chiemsee ab. Da gibt es einige Yachthäfen mit Slipanlagen für größere Boote.

Voll Farbe

Die Santa Maria ist frisch lackiert. Blaues Antifouling, orange-gelb-türkisblaues Oberschiff. Ende Mai haben wir uns für einen Spleiß-Kurs in der Nautik-Abteilung des Baumarktes Bauhaus angemeldet. Weitere Kurse in Meereskunde, Navigieren und Seerecht in einer Segelschule in München-Schwabing werden folgen.

Wir

Wir sind ein Team. Die Besatzung der 7,60 Meter langen Santa Maria. Barbara und Anton. Toni hat das Boot getauft. Nach dem Flaggschiff von Christof Kolumbus. Der ist nämlich die selbe Route gesegelt. Wir besprechen Bootsfarben, Equipment, Transport ect. Ist ja alles relativ neu für Toni. Ich habe mich die letzten sechs Jahre immer wieder mit dem Thema befasst, er nur im Rahmen der Fernseh-Reportage. Alex Bellini, ein guter Bekannter und erfolgreicher Ozeanruderer hat bei meinem Besuch letztes Jahr Wissenslücken geschlossen und diese wertvollen Informationen gebe ich nun an Toni weiter.

Frühjahrserwachen

Winterschlaf vorbei! Der Schuppen wird gewechselt. Toni und ich ziehen das Boot nach Reichersbeuern. Hier gibt es Strom und Wasser, da an dem Boot einiges überholt werden muss. Schon nach unserem ersten Gespräch äußert Toni den Wunsch mitzurudern. Er hatte vor einigen Jahren die Reportage der Brüder im Fernsehen gesehen und war seitdem fasziniert von der Idee, den Atlantik mit Muskelkraft zu überqueren. Diese Variante meines Vorhabens muss ich erst mal verdauen. Wir kennen uns kaum, waren niemals zusammen im Urlaub. Wie gesagt, erst mal sacken lassen.

Ankommen

Die Autobahn durch den Harz weist bis zu 10% Steigung auf. Für mich heißt das runterschalten in den zweiten Gang. Viele der Laster überholen mich! Es regnet ununterbrochen und ich bin heilfroh darüber- könnte ja auch schneien. In Dietramszell kann ich das Boot überwintern. Im Schuppen eines Bauern, neben der Indoor-Sandkuhle für seine Hühner. Merry Christmas!

Rad ab

Gut geschlafen. Ich freue mich schon auf ein Fernfahrerfrühstück. Das will ich in Deutschland geniessen. Gegen 9:00 Uhr passiere ich Flensburg. Wupp. Wupp, was? Na was schon, das linke Trailor-Rad. Nicht nur der Reifen, nein, das ganze Rad! Ich sehe im Aussenspiegel, wie es Richtung Fahrbahnmitte torkelt. Der Trailor hängt schief an der Kupplung dran und schleift auf der Achse funkensprühend über den Asphalt. Ich gehe vorsichtig vom Gas und rolle auf den Seitenstreifen. Ein rotglühender, rauchender Stummel, von der Achse ist nicht mehr viel da. ADAC, Polizei, die komplette Packung. Der Hänger passt mitsamt dem Boot gerade mal so auf den Abschleppwagen. In der Werkstatt können wir mit viel Telefonaten erreichen, dass Arvid die neue Achse auf die Fähre in Norwegen legt, ich sie in Dänemark abhole und nach Flensburg fahre. Das sind also nochmal 900 Ehrenkilometer. Neuer Respekt für die Gruppe der Kurier- und LKW-Fahrer wächst in mir. Weitere zwei Nächte im Fiorino, duschen in den Rasthöfen, Essen beim goldenen M, Zollbehörde und endlich wieder in Flensburg. Der Bootsanhänger ist ein simples Konstrukt, die neue Achse schnell eingebaut.

Die erste Nacht

Der Hänger läuft sehr schön nach. Zumindest in der Ebene ist das Gesamtgewicht von 650 kg kaum zu spüren. Auf die Fähre rolle ich ohne Probleme drauf, das G'schau der Leute habe ich natürlich. Vier Stunden, dann legen wir in Hirtshals an. Die Fahrbahn ist schneebedeckt. Die steile Rampe vom Schiff auf das Festland stellt kein Problem dar. An zwei Tankstellen fahre ich vorbei und dann kommt keine mehr. Ich fahre von der Autobahn ab und hoffe auf dem platten Land eine Tanke zu finden. Die erste die ich sehe wird komplett umgebaut. Sch...! Zwei Teenager-Mädels die rauchend in ihrem Polo sitzen wissen Gott sei Dank eine. Sie erklären sich bereit, mit hinzulotsen. Legen ein Tempo vor, dass ich und Böötchen kaum nachkommen. Die Kartentankstelle befindet sich im Einkaufszentrum eines kleinen Wohngebietes. Die hätte ich allein nie gefunden. Vielen Dank den beiden Dänen-Mädels! Ich tanke, bin aber zu nah an die Verstrebung der Überdachung gefahren und habe das Boot zwischen den Dollen verkeilt. Nix geht mehr. Weder vor noch zurück. O.K., abkoppeln, Hänger drehen, wieder ankoppeln. Brauche ich aber Hilfe. Es ist 22:00 Uhr, die Gehsteige hochgeklappt. Ich klingle gegenüber. Eine ältere Dame erklärt lautstark, nachdem ich um Hilfe beim Umdrehen des Hängers bat "I ka nit lüfte". Schickt mir aber ihren fußlahmen Mann an die Tür, der kurzerhand seinen Gehstock holt und mit mir zur Tanke rüberhumpelt. Er hat das Problem gleich überrissen und gemeinsam koppeln wir den Hänger auf dänisch-deutsch ab und wieder an. 100 Kilometer fahre ich weiter, dann richte ich mich für die Nacht ein. Meine erste Übernachtung in der Kajüte der Staratlantik II.

Reise

Wir präparieren das Boot für die lange Reise nach Sachsenkam. Arvid geht noch mal das Equipment durch, das ich mit dem Boot dazu bekomme. Rettungsinsel, Feuerlöscher, 2 Paar Skulls, Para-Anker, Schrauben, Kleinkram ect..

No Problem

Wir fahren in den Ruderclub von Kristiansand. Hier steht mein zukünftiges Schätzchen! Die Staratlantik II ist riesig! Ich soll mich nicht so anstellen, "no problem" sagt er, der Arvid. Routiniert koppelt er den Bootshänger an seinen alten 190er Diesel und wir fahren durch die engen Straßen der Stadt an die Slipanlage des zentral gelegenen Hafens. Es ist windig, regnet in Strömen und wir sind die einzigen die aufs Wasser wollen. Aber ich muss schließlich testen, was ich kaufe und wir haben nur dieses Wochenende Zeit. Das Ruderboot gleitet ins Wasser, wir steigen von der Kaimauer aus zu. Arvid rudert uns mit kräftigen Schlägen Richtung offenes Meer. Ich bin fasziniert. Trotz Wellengang, Starkwind und 400 Kilo Bootsgewicht bewegen wir uns!! Zurück muss ich selber ran und schon bewegen wir uns nicht mehr ganz so schnell.... Die Skulls sind länger und schwerer, der Winkel der Ruder steiler, ich muss die Steuerung justieren, die händisch bedient wird. Ich fabriziere immer mehr Luftschläge, da der Wellengang höher wird und das Boot schräg im Wasser liegt. So wird es also sein, 100 Tage im Atlantik, nur wesentlich wärmer. Ein echter Lichtblick!

Viel zu Denken

Schneeregen! Ich flüchte mich in das erste Cafe, das öffnet. Kaffee und Milchbrötchen. Ich halte mich daran fest, bis die Museen und Kaufhäuser öffnen. Vertreibe mir die Zeit, bis Arvid mich abholt und zu seinem Haus lotst. Seine Frau hat gekocht und wir verbringen einen extrem informativen Abend vor dem Kamin. Arvid holt Bücher, Karten, schwelgt in Erinnerungen und treibt mein geistiges Fassungsvermögen an seine Grenzen.

Weit weg

um 4:30 losgefahren, drei Pausen und am Abend pünktlich zur letzten Überfahrt des Tages an der Fähre im dänischen Hirtshals angekommen. Ätzender Schneeregen. Wen wunderts, keine Touristen, nur LKWs und polnische Bauarbeiterbrigaden in Kleinbussen. Ich komme um 23.30 an. Das einzig günstige Hostel, ein Containerbau direkt am Hafen von Kristiansand nimmt nur bis 22:00 Uhr Gäste auf. Ich schlafe im Auto. Kastenwägen sind schon praktisch. Isomatte, Daunenschlafsack und eine Montur Fleece-Klamotten bei 0 Grad gehören zur Pflichtausrüstung für eine angenehme Autonacht.

ziehen

boot  boot

Arvid und Stein sind gefunden!! Zwei Norweger aus Kristiansand verkaufen ihr Boot. Zu einem akzeptablen Preis. Jetzt muss ich es nur noch holen. Anhängerkupplung hat mein Fiat Fiorino. Was er nicht hat: viele PS. Ob er den Hänger samt Boot ziehen kann? Laut KFZ-Schein schon. Wie so oft, wenn es ernst wird, sind die "ich helf' dir und fahr' mit"-Freunde plötzlich extrem unabkömmlich.... Fahre ich halt allein. So schwierig kann Bootziehen ja nicht sein.